Gruppenfoto Konjunkturumfrage JB22
Foto: Becker/IHK
Stellten die Ergebnisse der Konjunkturbefragung vor (von links): IHK-Präsident Andreas Rother (ahd GmbH & Co. KG, Ense), Stefan Severin (Leiter Geschäftsbereich 1), Martin Ansorge (EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG), Johannes Trippe (Franz Trippe GmbH, Schmallenberg), Alexander Hennecke (stellvertretender Hauptgeschäftsführer), Volker Gode (Lott Handelsgesellschaft, Zweigniederlassung Lippstadt der Leffers GmbH & Co.KG), Andreas Deimann (Hotel Deimann GmbH & Co. KG, Schmallenberg) und Josef Freund (Josef Freund Transporte, Landartikel- und Baustoffgroßhandel GmbH & Co. KG, Anröchte).

„Die Konjunktur am Hellweg und im Sauerland geht dynamisch in das neue Jahr, hat aber zuletzt an Schwung verloren. Corona-Maßnahmen, Preisanstiege und Lieferengpässe sorgen für einen Dämpfer. Die Unternehmen stecken aber die Herausforderungen insgesamt gut weg“, erläutert Andreas Rother, Präsident der IHK Arnsberg. Die vierte Pandemiewelle führte wieder zu einer Spaltung der wirtschaftlichen Entwicklung. Das sind die zentralen Ergebnisse der IHK-Konjunkturbefragung. An der Umfrage zum Jahresbeginn haben rund 475 Unternehmen teilgenommen.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die Lage und Erwartungen der Unternehmen zusammenführt, fällt um fünf Punkte, bleibt aber mit 115 Punkten deutlich im positiven Bereich. „Der Erholungspfad, der nach dem Konjunktur-Einbruch im Frühjahr 2020 begann, hat eine leichte Delle bekommen“, so Alexander Hennecke, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer.

An der Wirtschaft im IHK-Bezirk gehen die aktuellen Herausforderungen nicht vorbei. Die Lage hat sich seit vergangenem Herbst leicht verschlechtert. Das Niveau bleibt aber hoch. Die Industrie ist nahezu unverändert gut ausgelastet, die Bauwirtschaft konnte noch zulegen, der Großhandel hat etwas nachgegeben. Uneinheitlich ist das Bild im Dienstleistungsbereich. Überwiegend gut fällt das Urteil in den unternehmensnahen Sparten aus, eher schlecht bei den haushaltsnahen Diensten und im Einzelhandel. Während der Lebensmitteleinzelhandel nach wie vor gut frequentiert ist, leidet der Facheinzelhandel unter den 2G-Bedingungen. Ebenfalls hart getroffen ist das Gastgewerbe. „Die seit dem Herbst nach und nach verschärften Corona-Maßnahmen und der Ausfall vieler Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit haben die Situation im Gastgewerbe drastisch verschlechtert“, verdeutlicht Präsident Rother. „Die Standhaftigkeit vieler Gastwirte ist bewundernswert. Dennoch zermürben die sich ständig verändernden Corona-Schutz-Maßnahmen viele in der Branche.“ 

Die Erwartungen an die nächsten 12 Monate sind in etwa auf dem Niveau des vergangenen Herbstes. „Stärker noch als das Pandemiegeschehen sorgen Preisentwicklungen und Engpässe bei Rohstoffen und Zulieferteilen für Unsicherheiten“, stellt IHK-Volkswirt Stefan Severin fest. Von einem hohen Auslastungs-Niveau kommend ist die Bauwirtschaft die Branche mit den schlechtesten Erwartungswerten. Eher pessimistisch sind der Einzelhandel, die Verkehrswirtschaft und das Gastgewerbe. Die Industrie, die Dienstleistungen und der Großhandel sind mehrheitlich zuversichtlich.

Die Exporterwartungen haben sich verbessert. Sowohl Industrie als auch Großhandel gehen von steigenden Ausfuhrzahlen aus. Demnach dürfte der Export im kommenden Jahr wieder eine stabile Größe darstellen. „Allerdings hält das außenwirtschaftliche Umfeld weiter große Herausforderungen und Risiken bereit“, erläutert Stefan Severin. Er nennt das weltweite Pandemiegeschehen, Lieferschwierigkeiten, Transformation zu Klimaneutralität und internationale Krisen wie der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland.

Bei der Frage nach den Konjunkturrisiken zeigt sich die größte Sorge bei den Energie- und Rohstoffpreisen (80 % Nennungen). Dahinter wird der Fachkräftemangel (67 %) als Gefahr für die weitere wirtschaftliche Entwicklung genannt. Es folgen Arbeitskosten (44 %), wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (35 %) und der Inlandsabsatz (27 %). „Die Corona-Pandemie hat nur kurz die Aufmerksamkeit vom Fachkräftemangel abgelenkt. Doch die Bedeutung des Themas ist nicht zu unterschätzen. Noch nie zuvor haben zwei Drittel unserer Betriebe den Fachkräftemangel als akutes Risiko für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung bezeichnet“, hebt Alexander Hennecke hervor. Dennoch plant die Mehrheit der Betriebe mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau. Allerdings erschwert der Engpass an verfügbaren Fachkräften den Personalaufbau. Vor diesem Hintergrund gehen das Gastgewerbe und die Verkehrswirtschaft davon aus, dass sie ihre Belegschaften verkleinern müssen.

Die Investitionsplanungen für das neue Jahr sind vielversprechend. Abgesehen vom Gastgewerbe wollen alle Branchen zulegen. Zwar wird dabei vor allem ein Stau an Ersatzinvestitionen abgebaut (58 % Nennungen) und angesichts von Lieferengpässen und Fachkräftemangel umfangreich in Rationalisierungen (40 %) investiert, aber viele Unternehmen geben auch wieder an, ihre Kapazitäten zu erweitern und die Produktinnovation voranzutreiben (je 36 %).

 

 

Konjunkturklima JB22


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